Was ist eine Interaktionsbezogene Fallarbeit?

Seit der Mitgliederversammlung im Mai 2007 ist in der ÖBG ein Beirat für Interaktionsbezogene Fallarbeit (IFA) integriert.

Interaktionsbezogene Fallarbeit (IFA)

Die Interaktionsbezogene Fallarbeit (IFA) ist – in Anlehnung an die Balint-Arbeit – ein strukturiertes Verfahren zur Reflexion und Analyse der ärztlich-therapeutischen Beziehungsgestaltung zwischen Ärztinnen und Patientinnen. Ziel ist die vertiefte Auseinandersetzung mit interaktionellen Dynamiken im klinischen Alltag sowie die Förderung professioneller Beziehungskompetenz.

Zentrales methodisches Element ist ein diagnostisch ausgerichtetes Rollenspiel, das einen unmittelbaren emotionalen Zugang zum Fallgeschehen ermöglicht und einen systematischen Perspektivwechsel unterstützt. In der sich anschließenden moderierten Gruppenphase werden die dem dargestellten Verhalten zugrunde liegenden Beziehungs- und Konfliktdynamiken im assoziativen Gruppenprozess exploriert und differenziert herausgearbeitet.

Der Fokus liegt auf der Identifikation und Benennung zentraler Ängste, Bedürfnisse und Beziehungserwartungen sowohl auf Seiten der Patient*innen als auch der Behandelnden. Auf Grundlage der Falldarstellung sowie der Ergebnisse des Gruppenprozesses wird eine erste Arbeitshypothese entwickelt. Darauf aufbauend werden diagnostische und therapeutische Handlungsmöglichkeiten reflektiert, strukturiert diskutiert und gegebenenfalls in einem zweiten Rollenspiel praktisch erprobt.

Die abschließende Phase dient der professionellen Entlastung der fallvorstellenden Person, der Integration der gewonnenen Erkenntnisse sowie der Förderung einer reflektierten inneren Distanz im Sinne professioneller Rollenklärung.